Wirtschaft & Recht

Wer entscheidet für Sie im Krankenhaus?

Unfall, Koma – und dann? Ihr Betrieb muss weiterlaufen, wenn Sie nicht ansprechbar im Krankenhaus liegen. Die Patientenverfügung wurde zuletzt intensiv diskutiert, sie soll humanes Sterben ermöglichen. Aber für viele andere Entscheidungen sind Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung mindestens genauso wichtig.

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Manchmal braucht es schmerzhafte Erlebnisse für eine plötzliche Erleuchtung – zum Beispiel einen Trauerfall im Freundeskreis. Oder haben Sie sich bereits ohne triftigen Grund mit Tod und Patientenverfügung beschäftigt? Wenn ja, zählen Sie zu einer kleinen Minderheit, denn nach neuen Statistiken haben nur 16 Prozent der Deutschen eine Patientenverfügung und zehn Prozent eine Vorsorgevollmacht unterschrieben. Sollten Sie nicht dazugehören, können Sie vielleicht von meinen erhellenden Erfahrungen profitieren und damit Ihre Familie wie Ihren Betrieb vor großem Unglück bewahren.

Eine Patientenverfügung allein reicht nicht

Ich nämlich habe, bis zu solchen Ereignissen im direkten Umfeld, Begriffe wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung zwar irgendwie registriert und zuordnen können, mich aber inhaltlich nie genau damit beschäftigt. Klar, mit Gebrechlichkeit und Tod muss ein Mann in den besten Jahren sich nicht auseinandersetzen, oder? Und dann war da dieser Fall: Jemand lag plötzlich auf der Intensivstation. Die Ehepartner hatten Patientenverfügungen aufgesetzt, ihr verkürzter Inhalt: Falls der Sterbende nicht mehr ansprechbar ist, darf der jeweils andere verhindern, dass er nur noch mit dem Einsatz intensivmedizinischer Maschinen am Leben gehalten wird. Das soll unwürdiges Dahinvegetieren verhindern. Fast war es so weit. Da stabilisierte sich der Gesundheitszustand plötzlich auf niedrigem Niveau. Der Patient konnte kaum sprechen und war total desorientiert, brauchte aber nur noch Infusionen statt künstliche Beatmung. Und plötzlich durfte der Ehepartner nicht mehr für ihn entscheiden, denn es fehlten Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung.

Für viele Dinge braucht es eine Vorsorgevollmacht

Als ich das hörte, wurde mir schlagartig klar: Die Patientenverfügung gilt nur für den äußersten Fall. Aber bis dahin kann viel passieren, von einem Unfall mit Koma bis zu Alzheimer. Und dafür braucht es Entscheidungsübertragungen. Auf den Punkt bringt es die Caritas: „Ehepartner oder Kinder können nicht automatisch für Sie entscheiden. Ohne die Beauftragung durch eine Vollmacht oder den Beschluss der rechtlichen Betreuung geht das nicht. Niemand wird dazu gezwungen, eine Vollmacht zu erteilen. Fehlt diese aber, wenn Sie wichtige Entscheidungen nicht mehr selbst treffen können, wird das Amtsgericht dafür einen rechtlichen Betreuer einsetzen – entweder aus dem Familienkreis oder auch einen Fremden.“

Oft muss das Amtsgericht einen Betreuer stellen

Genau das drohte in diesem Fall. Die Patientenverfügung regelte nur – drastisch ausgedrückt – das Ausschalten der Intensivmedizin bei Koma. Jetzt ging es um Maßnahmen zur weiteren Stabilisierung, die wegen der fehlenden medizinischen Vorsorgevollmacht plötzlich wieder vom Arzt statt dem Ehepartner getroffen werden sollten. Und weil sich alles hinzog, wurde die fehlende generelle Vorsorgevollmacht zum Problem. Anstehende Rechtsgeschäfte konnten nicht wie geplant weiterlaufen, da ohne Vollmacht das Amtsgericht einen Betreuer einsetzen muss, der Geschäfte prüft und genehmigt. Das kann dauern. Und die Entscheidungen eines fremden, amtlich bestellten Betreuers müssen nicht im Sinne des Patienten sein, selbst wenn sie nach bestem Wissen und Gewissen fallen. Mit Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung, die dem Gericht einen Betreuer zur Bestätigung vorschlägt, wäre alles schneller gegangen und eine rechtliche sowie wirtschaftliche Handlungsfähigkeit erhalten geblieben.

Vollmachten für Betrieb und Privates koordinieren

In meinem Freundeskreis schlug dann doch der Tod zu. Ein plötzlicher Rückfall, und die Themen Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung waren erledigt. Aber ich habe danach überlegt, wie ich garantieren kann, dass in so einem Fall eine vertrauenswürdige Person über mich und meine Angelegenheiten entscheidet und nicht jemand, den das Gericht ins Haus schickt. Bei vielen von Ihnen geht es sicher um mehr als bei mir, denn auch Ihr Betrieb muss über einen Bevollmächtigten am Laufen gehalten werden. Sie sollten unbedingt mit Ihrem Anwalt darüber reden, welche Vollmachten und Verfügungen für Sie im Privaten wie im Beruflichen wichtig sind. Dazu gehört eine Zwei-Stufen-Strategie: Eine Vollmacht nur für den Ehepartner hilft nicht, wenn man zusammen verunglückt und etwa im Koma liegt. Und berufliche sowie private Vollmachten müssen aufeinander abgestimmt sein, sonst könnten sich zwei – für sich allein sicher gut gewählte – Bevollmächtigte eventuell blockieren. Und das wäre auch nicht in Ihrem Interesse.
Foto: Shutterstock

Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmerblog für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.