Wirtschaft & Recht

Greening stärkt das Image, Greenwashing schädigt es

Viele Firmenchefs reden über nachhaltige Unternehmensführung und soziale Verantwortung. Aber nicht alle machen es richtig. Dabei können sich gerade kleine Betriebe durch soziales Engagement und Verankerung in der Gemeinschaft im Wettbewerb abheben – wenn sie mehr als Greenwashing betreiben.

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Wenn Sie bei Google „Nachhaltige Unternehmensführung“ eingeben, bekommen Sie gut 460.000 Treffer. Das ist eben schon seit Jahren ein Trendthema, und nicht nur für Großunternehmen. Die nachhaltige Unternehmensführung ist längst im Mittelstand angekommen, etwa bei Vaude, einem Hersteller von Outdoorartikeln. Geschäftsführerin Antje von Dewitz erklärt hier im Blog, wie durchdachtes Greening funktioniert und dass der Weg dahin durchaus lang und steinig sein kann.

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Früher wurde das Thema häufig mit griffig effekthascherischen Werbekampagnen à la „Ein Kasten Wasser für einen Liter Wasser“ in Verbindung gebracht, bei der dann ein kleines, dunkelhäutiges Kind mit sehr großen Augen zu sehen war. Oder „Einen Kasten für einen Quadratkilometer Regenwald.“ Behauptungen, die sich jedoch – das habe ich damals gelesen, als solche Kampagnen liefen – nicht verifizieren ließen. Geschweige denn beziffern. Wie viel Geld von einem Kasten, wie viel Geld für … – vergessen Sie’s. Greenwashing lautete denn auch der Vorwurf für solche Nachhaltigkeitskampagnen. Ein bloß ökologischer oder auch sozialer Anstrich mit nichts dahinter also.

Ökologie und Soziales in Unternehmenszielen verankern

Aber es geht auch anders – handfest und wirkungsvoll. Nachhaltigkeit umfasst neben den ökologischen auch soziale Aspekte. Das wurde mir vor ein paar Jahren klar, als ich über ein entsprechendes Fachbuch einen Artikel geschrieben habe. Und auch, dass Nachhaltigkeit gerade etwas für Mittelständler ist. Von ihnen können Konzerne viel lernen in Sachen Verankerung vor Ort und bei der Umsetzung ökologischer oder nachhaltiger Konzepte. Mit finanziellem und praktischem sozialem Engagement in Bildungseinrichtungen und Vereinen beispielsweise tun sich gerade Mittelständler ja von jeher hervor. Und das Soziale gehört zum Nachhaltigkeitskonzept ebenso dazu wie das Ökologische. Beides konkurriert jeweils mit dem Ökonomischen, gibt auch Antje von Dewitz zu. Aber trotzdem werde es bei Vaude bei jeder Entscheidung und jeder Kalkulation berücksichtigt – von jedem Mitarbeiter und jeder Führungskraft – und sei in den jeweiligen Zielen verankert.

Ideen in Wettbewerben bewerten und prämieren lassen

Nachhaltigkeit ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Erfolg. Ihr Unternehmen hebt sich dann von der Konkurrenz ab, wenn Sie sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen – und natürlich drüber reden. Wie das gehen kann, erfahren Sie unter anderem beim ZNU – Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung, einem anwendungsorientierten Forschungsinstitut in der Wirtschaftsfakultät der Universität Witten/Herdecke, das sich auf die Lebensmittelbranche konzentriert und für sie einen interessanten Nachhaltigkeits-Check erarbeitet hat. Informativ sind auch die Veranstaltungen des Arbeitskreises Nachhaltige Unternehmensführung der Schmalenbach-Gesellschaft. Und wer seine Ideen bewerten lassen will, kann sich am Ideenwettbewerb des Rates für Nachhaltige Entwicklung beteiligen.

Als Pächter die Schließung des Freibads verhindern

Für Vaude-Chefin Antje von Dewitz ist das Bemühen um Nachhaltigkeit auch ein Innovationstreiber. Logisch: Schließlich müssen sich die Mitarbeiter etwas einfallen lassen, das eine umwelt- oder sozialverträgliche Neuerung mit sich bringt– und das wiederum ist, vorausgesetzt natürlich, es wird alles richtig gemacht, das Schöne für die gesellschaftliche Umgebung. Weniger Parkplätze und dafür Firmenbusse zum Beispiel, Kinderbetreuungs- und Teilzeitangebote oder aber auch, dass ein Unternehmen wie Vaude – „Wir sind halb so groß wie das Dorf, in dem wir sitzen“, sagt von Dewitz – als Pächter den Betrieb des örtlichen Freibads übernommen und so verhindert hat, dass die Gemeinde die Schwimmanlage aus Geldmangel schließt.
Eines aber sollte Ihnen als Firmenchef klar sein: Jede unternehmerische Nachhaltigkeitsoffensive muss glaubwürdig sein und zu den übrigen wirtschaftlichen Aktivitäten passen. Sonst wird aus dem Greening doch nur Greenwashing – sobald jemand das hinterfragt, zum Nachteil Ihres Unternehmens.
Foto: Shutterstock

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.