Personal & Führung

Sie brauchen Ideen? Crowd-Innovation!

Crowd-Sourcing nutzen Sie, von Crowd-Funding haben Sie gehört – und Crowd-Innovation kann die Wettbewerbsfähigkeit Ihres Betriebs steigern. Wie der gemeinsame Einkauf Kosten und den Aufwand reduziert, liefert die Einbeziehung potenzieller Kunden wertvolle Ideen.

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Derzeit ist ja viel die Rede von Crowd-Irgendwas. Crowd-Sourcing kennen Sie sicher und praktizieren es vielleicht sogar, wenn auch möglicherweise unter einem anderen Namen: Dabei schließen sich mehrere Unternehmen zu einer Einkaufsgemeinschaft zusammen, um Kosten und Aufwand zu reduzieren. Das machen auch viele kleinere Betriebe. In meinem Bereich – dem Journalismus – wird gerade viel über das sogenannte Crowd-Funding diskutiert. Dabei besorgen sich Autoren das Geld für Recherche und Veröffentlichung ihrer Werke via Internet direkt bei ihren Lesern – etwa über die „Krautreporter“ oder eine eigene Web-Seite wie „Eine neue Version ist verfügbar“. Und von Crowd-Intelligence oder auch Schwarmintelligenz ist die Rede, wenn jemand seine Follower bei Twitter oder Freunde bei Facebook etwas fragt.

Die Unternehmen geben die grobe Richtung vor …

Und jetzt neu im Kreis der Schlagwörter: Crowd-Innovation. Dabei lassen Firmenchefs ihre Kunden bei Gestaltung und Verbesserung der eigenen Produkte oder Dienstleistungen mitreden. Dafür sei die Unternehmensgröße zweitrangig, so Catharina van Delden, Geschäftsführerin der auf Crowd-Innovation spezialisierten Unternehmensberatung innosabi. Prinzipiell könnten alle Betriebe von Crowd-Innovation profitieren, die bereit sind, sich dem Dialog nach außen zu öffnen. Belohnt würden ihre Veränderungsbereitschaft und ihr Mut vor allem mit einem geringeren Floprisiko und besserer Produktqualität.

Als ich den Begriff zum ersten Mal gelesen habe, fiel mir gleich die Automobilindustrie ein. Dort können Sie sich Ihren Neuwagen ja schon lange nach ihren Vorstellungen zusammenbauen lassen – mit den Extras und in der Farbe, die Sie haben wollen. Das ist schon die richtige Richtung. Aber Crowd-Innovation geht noch viel weiter. Hier wird schon in einer frühen Phase der Produktentwicklung die Leistung der Kunden und sogar potenzieller Zielgruppen, die vielleicht am Ende gar nicht kaufen, professionell eingebunden, um viele Ideen einfließen zu lassen.

… und der Schwarm übernimmt die Feinsteuerung

Die Crowd – also die mehr oder weniger anonyme Masse – bestimmt dann beispielsweise, wie die neue Nagellack-Kollektion oder ein Werbeplakat aussehen soll, oder sie hilft einer Wein- und Delikatessenbar, ihr Frühstücksangebot zu erweitern. Beides Beispiele aus der Internet-Community „Unser Aller“, über die sich Unternehmen und Crowd-Mitentwickler vernetzen. Die Unternehmen geben die grobe Richtung für das geplante Produkt vor. Die Mitentwickler können Vorschläge einreichen, Kommentare abgeben, abstimmen und Prototypen basteln. Dafür können sie das produzierte Produkt anschließend zu Vorzugskonditionen im Internet-Shop der Seite kaufen.
Und hier schließt sich dann auch der Kreis von der Crowd-Innovation zur Schwarmintelligenz. Die über eine Frage abstimmende mehr oder weniger anonyme Masse hat sich in wissenschaftlichen Studien tatsächlich als schlauer erwiesen als der Einzelne. Also auch der einzelne Produktentwickler oder Chef. Natürlich macht der Schwarm weder den Firmenchef überflüssig noch Produktentwickler oder Marketingleute, betont innosabi-Geschäftsführerin van Delden. Aber er macht sie schlauer in Sachen Kundenwünsche. Interessante Hinweise aus psychologischer Sicht hat Roland Kopp-Wichmann in seinem Persönlichkeits-Blog parat.

Jeder Mensch kann sofort Verbesserungen vorschlagen

Ich persönlich würde mir ja mehr Crowd-Sourcing für Verpackungen wünschen. Was ich allein dadurch an Plastikmüll sparen könnte, dass der Hersteller dieser leckeren, glutenfreien Schokokeksriegel nicht jeden einzeln verpackt in eine Plastikschale packt, eingehüllt in eine Kunststoffverpackung. Mehr Müll als Produkt, vom Volumen her. Ich würde diese Schokokeksriegel sonst bestimmt öfter kaufen. Da wäre etwas Input für die Entwickler also wirklich gar nicht schlecht.
Und vielleicht wären Sie ja selbst auch ganz dankbar, wenn Ihnen jemand, der gerade Lust dazu hat, mit einer guten Idee auf die Sprünge hilft.
Foto: Gettyimages

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.