Steuern & Finanzen

Steuern mit Zahlen für Groß und Klein

Schon wieder hat ein mit Steuergeldern finanzierter, vermutlich auf ewig unrentabler Flughafen eröffnet, Kassel-Calden. Private Investoren haben sich aus dem Projekt rausgehalten, weil sie rechnen können. Auch Mittelständler sollten das Führen mit Kennzahlen und konsequente Kostenrechnung gezielt einsetzen.

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Von Flughäfen höre und lese ich im Moment nur schlechte Nachrichten. Sie werden von Schnee (Frankfurt) oder Streik (Düsseldorf) lahmgelegt, wegen des Brandschutzes erst gar nicht in Betrieb genommen (Berlin) oder schon vor dem ersten Flug wegen Passagiermangels wieder dichtgemacht (Kassel-Calden). Immerhin – da hat der Airport zumindest eröffnet. Aber ob das jetzt wirklich ein Erfolg ist?
Noch ein Großprojekt, zu dem der Steuerzahler zuschießen muss, wie das so schön heißt: 271 Millionen Euro in diesem Fall. Wobei zuschießen die Sache nicht ganz trifft. Der Flughafen wurde komplett aus Steuermitteln finanziert. Kein privater Investor ließ sich überreden, Geld lockerzumachen. Kein Wunder – die rechnen vorher durch, ob sie nachher auf ihre Rendite kommen. Das haben die öffentlichen Förderer von Kassel-Calden nicht gemacht, rügt der Bund der Steuerzahler Hessen. Er warnte schon im Schwarzbuch 2005, die Kosten würden mit über 200 Millionen Euro deutlich höher ausfallen als geplant. Der Vorsitzende Joachim Papendick kritisiert auch, dass sich bei der Umsetzung keiner um Wirtschaftlichkeitsüberlegungen oder die Erfahrungen mit anderen Regionalflughäfen geschert habe. Eigentlich ja wichtige Faktoren.

Harte Fakten stets im Auge

Die meisten Mittelständler überlegen genau, wofür sie Geld ausgeben – es ist ja ihr eigenes. Diese Lektion aus den sich wiederholenden Großprojektruinen brauchen also die wenigsten Firmenchefs zu lernen. Wohl lernen könnten sie etwas darüber, wie sich ein Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll steuern lässt. Wer die richtigen Kennzahlen herausfindet und zielgerichtet analysiert, kann Kosten senken, Preise optimieren und auf Basis harter Fakten mit Geschäftspartnern verhandeln.
Darüber habe ich für die Printausgabe 1/2012 des „TRIALOG“ mit Unternehmern und Experten geredet. Der Inhaber einer Schreinerei berichtete über gute Erfahrungen damit, dass seine Beschäftigten ihre Arbeitszeit zentral und zeitnah einem Auftrag zuordnen. Er hat seither die Stunden und Materialkosten jedes Projekts im Auge und kann seinen Mitarbeitern genaue Vorgaben machen. Die kennen jetzt neben dem Auftragsvolumen die für alle Tätigkeiten kalkulierten Stundenzahlen. So merken sie, wenn ein Auftrag finanziell aus dem Ruder zu laufen droht – und können gegensteuern, bevor ein Projekt unwirtschaftlich wird.

Die richtigen Zahlen finden

Die Beschäftigten einzubinden ist wichtig, weil sie sich mit ihrer Arbeit selbst am besten auskennen. Außerdem helfen sie erkennen, ob bei den Kennzahlen eine klare und für aussagekräftige Zahlen dringend erforderliche Systematik eingehalten wird oder ob es irgendwo Widersprüche gibt, die es unbedingt aufzulösen gilt. Auch der Steuerberater kann aus den ihm übermittelten Fakten aussagekräftige Analysen und Prognosen erstellen.
produktbox_kostenrechnungSie als Firmenchef sollten eine solche Analyse aber auf die wirklich erfolgsentscheidenden Faktoren eingrenzen. Untersuchen Sie nicht mehr, als für eine zielorientierte Unternehmenssteuerung nötig ist. Dafür müssen Sie klare Ziele festlegen. Beispiel: Wollen Sie sich als Qualitätsanbieter profilieren, können Daten aus der Produktion über die Ausschussquote oder aus dem Service über die Reklamationsquote hilfreich sein. Die hohe Kunst ist zwar, Informationen wegzulassen – Zahlen gibt es mehr als genug in Unternehmen. Aber für die entscheidenden Faktoren sollten Sie genau hinterfragen, ob sich Wissenslücken auftun. Diese sollten Sie schließen, etwa indem Sie Kunden zu ihren Qualitätsanforderungen befragen. Hauptsache, die Ergebnisse lassen sich am Ende in konkret messbare Zahlen übersetzen. Entwickeln Sie für diese Zahlen auch Plan-, Soll- und Schwellenwerte, die Sie zur Kontrolle sowie für Zielvorgaben und Alarmfunktionen nutzen können, um Ihr Unternehmen zu steuern. Und halten Sie die wenigen für Sie wichtigen Zahlen auf dem aktuellen Stand– so zeitnah wie möglich. Der Aufwand lohnt sich.
Vergessen Sie darüber aber nicht die Kostenrechnung. Konsequent und mit der passenden Software umgesetzt, können Sie als Unternehmer sicher profitabler agieren.

Foto: mauritius images/ib/Christian Ohde

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Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.