Wirtschaft & Recht

Messe: Einladungen und Geschenke? Vorsicht!

Nicht nur auf der CeBIT werden Besucher mit Werbegeschenken an Stände und mit Freikarten in Veranstaltungen gelockt. Teure Präsente oder luxuriöse Events sind aber gefährlich. Die Compliance-Diskussion dreht sich rasch um Korruption und Bestechung. Da sind Fingerspitzengefühl und Grenzen wichtig.

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Für viele Messebesucher könnte die nächste Fachausstellung leichter und langweiliger werden. Leichter, weil sie nicht mehr an allen Ständen Werbegeschenke erhalten, die sie durch die Hallen schleppen müssen. Langweiliger, da sie sich dann bei zähen Fachforen nicht einmal mehr mit dem Studium der bis dahin eingesammelten Give-aways wachhalten können. Aber Spaß beiseite: Tatsächlich wurden bei der Spielwarenmesse in Nürnberg, die als Trendsetter gilt, kaum Werbegeschenke als Kundengewinnungs- und -bindungsinstrument gegenüber Fachbesuchern eingesetzt, so eine Umfrage der Flessa GmbH Kreativ Agentur für Werbeartikel. Nur jeder zehnte Aussteller verteilte kleine Präsente und dabei überwiegend günstige Streuartikel wie Kugelschreiber, Luftballons, Ansteck-Pins und Streichhölzer. Das ist überraschend, denn bisher galt immer: Werbegeschenke erhöhen die Kundenbindung, wenn sie zum Unternehmen passen und zum richtigen Zeitpunkt sympathisch überreicht werden.

Die Compliance-Debatte zeigt langsam Wirkung

Zeigt die Compliance-Debatte Wirkung? Seitdem in mehreren Konzernen Topmanager wegen Bestechungsvorwürfen gehen mussten und Strafen in Millionenhöhe fällig wurden, tobt in fast allen Betrieben die Diskussion, was Mitarbeiter als geschäftliche Präsente verteilen oder annehmen dürfen. Das gilt natürlich rund um Weihnachten, da zu dieser Zeit traditionell Geschenke verteilt werden. Aber es betrifft auch Ausstellungen, bei denen viele Anbieter auf viele potenzielle Kunden treffen und um Aufmerksamkeit buhlen. Siemens informiert daher inzwischen am Messestand über sein Compliance-Programm – vermutlich, um bei enttäuschten Besuchern um Verständnis dafür zu werben, dass es hier nichts mehr mitzunehmen gibt. Andere, wie das Elektrotechnikunternehmen Pfisterer, erklären sich im Internet. Sie erläutern Wertgrenzen oder dass auf Präsenten das Firmenlogo prangen muss, um ihre Herkunft zu kennzeichnen. Angesichts dessen fragte das Nachrichtenmagazin „Focus“ schon: „Compliance-Wahnsinn nervt Firmen: Gratis-Kaffee noch ok?“

Der Gratis-Kaffee am Messestand ist noch ok

Ja, Gratis-Kaffee ist ok. Es muss ja nicht gleich ein Kopi Luwak sein, der teuerste Kaffee der Welt, von dem nur 230 Kilogramm im Jahr hergestellt werden, was seinen Preis von gut 300 Euro pro Pfund erklärt. Und natürlich sollte man bei einer Ausschreibung nicht mit seinem Angebot gleich einen ganzen Sack dieser Bohnen liefern, das hätte auch einen Beigeschmack. Ansonsten gilt vor allem für Messen und Veranstaltungen: Bei kleinen Aufmerksamkeiten zählen in erster Linie Fingerspitzengefühl und gesunder Menschenverstand. Gummibärchentütchen und alkoholfreie Erfrischungsgetränke am Messestand sind weniger Bestechung als Arbeitserleichterung.

Luxuriöse Einladungen sind nicht mehr angebracht

Opulente Hospitality-Pakete mit Logenplätzen, Rundumverpflegung sowie Luxusunterbringung dagegen, über die Transparency International nicht nur im Rahmen großer Sportveranstaltungen berichtet, verbieten sich von selbst. Tickets für 1.000 Euro oder Übernachtungen in Fünf-Sterne-Hotels als „kleine Aufmerksamkeit“ zu deklarieren dürfte schnell für Unruhe sorgen. Ein Personalchef etwa verlor unlängst seinen Job, weil er sich von einem Personalvermittler in die VIP-Lounge eines Fussballstadions hatte einladen lassen. Die Strategieberaterin Claudia Böhnert spricht in diesem Zusammenhang schon von einer „Logendämmerung“. Niemand wolle noch zu einer Veranstaltung eingeladen werden, und derjenige, der einer Einladung folge, wolle nicht gesehen werden – weder von seinem Chef noch vom Finanzamt oder gar dem Staatsanwalt.

Nutzen Sie auch Ihren gesunden Menschenverstand

Claudia Böhnert hofft, dass die Juristen sich ihrer Herausforderung bewusst sind und Regeln finden, die ein Marketing weiterhin möglich machen. Da hat sie absolut recht. Die Compliance-Diskussion darf nicht dazu führen, dass Besuchern eines Messestandes nicht einmal mehr ein Glas Wasser angeboten wird. Hier kann aber durchaus der gesunde Menschenverstand als natürliches Regulativ dienen. Oder würden Sie von einem Fremden ein Geschenk im Wert von 1.000 Euro annehmen, ohne das Gefühl zu bekommen, da könnte eine Gegenleistung fällig werden …?
Foto: gettyimages

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Frank Wiercks

ist Mitglied der Redaktion von TRIALOG, dem Unternehmermagazin für Mittelständler, Selbständige und Freiberufler. Außerdem arbeitet er für verschiedene Wirtschafts- und Managementmagazine. Zuvor war er unter anderem Chefredakteur von handwerk magazin und Markt und Mittelstand.