Personal & Führung

"Jeder junge Mensch braucht Ausbildung"

Wenn Unternehmer nicht ausbilden, erklären sie das mit zu wenig fähigen Lehrstellenbewerbern oder der Bürokratie. Firmenchef Walter Mennekes lässt solche Argumente nicht gelten. Er fordert, die vermeintlichen Hemmnisse beiseitezuschieben - und zu handeln, statt zu lamentieren.

Teilen auf

LinkedIn Xing Whatsapp

Für mich als Unternehmer ist es ein wichtiges Ziel, ja eine Herzenssache, so vielen jungen Menschen wie nur irgend möglich einen Ausbildungsplatz anzubieten. Das heißt konkret: Die Mennekes Elektrotechnik GmbH & Co. KG hat in diesem Jahr für zwölf Auszubildende neue Ausbildungsplätze geschaffen. Damit bietet sie derzeit insgesamt 48 Jugendlichen einen Ausbildungsplatz als Sprungbrett für den erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben – das sind rund zehn Prozent der Gesamtbelegschaft, ein Spitzenwert für die Industrie in dieser Region und weit mehr, als für den eigenen Bedarf erforderlich.

Wir achten nicht nur auf die Leistungsstarken

Mir war schon immer wichtig, dass auch Heranwachsende ihre Chance bekommen, die in der Schule nicht zu den Leistungsstarken gehörten, seit ich das Unternehmen mit 250 Mitarbeitern von meinem Vater übernommen habe. Gute Schulnoten sind vielversprechend. Aber sie sind nicht alles. Ich war in der Schule auch nicht gerade der Überflieger. Aber nach der Lehre das Abi auf dem zweiten Bildungsweg, dann Studium als Maschinenbauer – auf einmal ging’s, und zwar ohne Scheck vom Papa. Doch ich finde: Es ist nicht nötig, dass sich jeder junge Mensch so durchbeißen muss wie ich damals, um beruflich was zu werden. Dafür glaube ich unbedingt, dass jeder junge Mensch etwas kann, etwas zu bieten hat und deshalb seine Chance verdient. Keiner darf verloren gehen!
Es geht nicht nur darum, dass unser Unternehmen so viele junge Leute ausbildet wie möglich. Ich setze mich auch dafür ein, dass andere Unternehmer mitmachen. Mein Hauptargument: „Es könnte ja auch Ihr Sohn oder Ihre Tochter sein, der oder die da keinen Ausbildungsplatz findet.“ Mit diesem Argument habe ich schon viele überzeugt, den Unternehmerkollegen, den Personalchef, den Betriebsratsvorsitzenden, und ich sage mit etwas Stolz: Im Kreis Olpe dürften Dutzende von Ausbildungsplätzen auf mein Konto gehen. Wir Unternehmer müssen das Problem gemeinsam anpacken, denn es geht uns alle an. Richtig teuer wird es, wenn wir nicht ausbilden. Jedem muss klar sein: Jugendliche ohne Schulabschluss oder berufliche Qualifizierung darf es in keiner Gesellschaft geben – am allerwenigsten in einer Industrienation, die so sehr vom „Made in Germany“ lebt wie wir.

Sogar Kindergartenkinder besuchen uns

Wir fangen früh an, Weichen in die Berufsausbildung zu stellen. So suchen wir bei uns im Umfeld den direkten Kontakt mit den Lehrern der Haupt- und Realschulen sowie der Gymnasien. Regelmäßig kommen Schülerinnen und Schüler an Betriebsschnuppertagen zu uns. Acht- und Neuntklässler ebenso wie Zehnjährige, die sich erst noch für eine weiterführende Schulform entscheiden müssen, gewinnen bei uns erste Eindrücke. Sogar Kindergartenkinder kommen stundenweise zu uns ins Haus – früh übt sich. Über solche systematisch gepflegten Kontakte zu Kindern und Jugendlichen hinaus bieten wir selbstverständlich Lehrpraktika an. Für die Heranwachsenden sind das oft wichtige Erfahrungen und Entscheidungshilfen. Kurzum: Die Zusammenarbeit mit den hiesigen Schulen (Gymnasien, Real- und Hauptschulen) ist enorm wichtig – und sie funktioniert bestens.
Auch für uns zahlt sich dieser frühe Kontakt aus. Zu uns kommen qualifizierte, leistungswillige jugendliche Bewerber mit klaren Vorstellungen von ihrem beruflichen Leben. In unserer Region, auch das darf einmal gesagt sein, machen die Lehrer querbeet durch alle Schulformen einen guten Job. Durchweg halten die jungen Leute, was gute Noten versprechen. Natürlich gibt es auch Defizite. Beispielsweise könnte der Dreisatz besser beherrscht werden. Aber das sind Löcher, die sich stopfen lassen. Man muss sich nur kümmern. Wir bleiben unaufgeregt – besonders beim Nachwuchs: Nobody is perfect.
Aufs Ganze gesehen, meine ich: Wir sind den Jugendlichen, wir sind unseren Unternehmen, wir sind auch der Gesellschaft ein gutes Beispiel schuldig. Nochmals: Keiner darf verloren gehen! Und einfach machen ist immer noch besser als bedenkenträgerisches Kopfschütteln.

Vita:

Walter Mennekes leitet als geschäftsführender Gesellschafter die 1935 gegründete Mennekes Elektrotechnik GmbH & Co. KG in Kirchhundem. Sein Familienunternehmen ist als führender Hersteller von Industriesteckvorrichtungen mit Tochtergesellschaften und Vertretungen in über 90 Ländern aktiv und beschäftigt weltweit mehr als 900 Mitarbeiter, über zwei Drittel davon in Deutschland. Die Produktpalette reicht von genormten industriellen Steckvorrichtungen in über 11.000 Ausführungen und Bauformen bis zu Ladesteckvorrichtungen für Elektrofahrzeuge.

Weitere Informationen

Artikel von Hirnforscher Gerald Hüther bei handwerk.com: „Es liegt nicht am Azubi
Foto: Fotolia

Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

  • Schwerpunktthemen
  • Trialog-Newsletter

    Sie möchten künftig keine wichtigen Tipps für Ihr Unternehmen verpassen?
    Mit dem kostenlosen Newsletter halten wir Sie auf dem Laufenden.

  • Experten-Suche

    Kein einfaches Thema!
    Am besten hilft ein steuerlicher Berater! Sie haben noch keinen? Dann können Sie auf DATEV SmartExperts nach den passenden Experten suchen.

    Ich suche








  • Auf Facebook mitdiskutieren

    Sie möchten das Thema vertiefen?
    Dann werden Sie gerne Fan und beteiligen sich an der Diskussion auf unserer Facebook-Fanpage

    Jetzt TRIALOG-Fanpage besuchen

  • DATEV im Web
    YouTube LinkedIn