Personal & Führung

Gut gemacht! Lob des Lobes

Der Mensch lebt nicht fürs Lob allein. Aber gelobt werden wir alle gern für unsere Leistung. Steigert die Motivation. Aber nicht immer. Als Chef sollten Sie dieses Führungsinstrument mit Bedacht einsetzen. Sonst richten Sie womöglich Schaden an.

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Es klingt ein bisschen nach Knopfdruck-Personalführung: „Wer Heldentaten erwartet, muss diese auch loben“, habe ich da neulich gelesen. Einfacher logischer Schluss des Artikels zum Thema Lob als Führungsinstrument: Der Weg führt vom Wollen über das Loben zur Spitzenleistung.
„Boah, das ist ja einfach“, habe ich gedacht. Toll! Nur: Funktioniert das wirklich? Ich glaube, dass gerade Spitzenleistungen unabhängig vom Gelobtwerden entstehen. Weil jemand etwas gern gut macht und das auch kann. Und es ihm einfach mehr Freude macht, etwas gut zu machen, als schlecht.

Frust, wenn keiner die Leistung bemerkt

Andererseits – ein bisschen was ist ja auch dran. Denn ich weiß natürlich auch, dass es selbst bei Arbeit, die man liebt und die einem liegt, immer mal Durststrecken gibt. Als Journalist lernen Sie schon in der Ausbildung: „Qualität kommt von Qual.“ Das soll Wolf Schneider gesagt haben, lange Jahre Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und Sprachpapst schlechthin. Nebenbei: Für dieses „schlechthin“, ein nachlässig gewähltes Füllwort, würde er mich jetzt wohl auspeitschen lassen, ebenso wie für das „wohl“, mit dem ich gerade das vermutliche Auspeitschen überflüssigerweise relativiert habe …
Aber zurück zum eigentlichen Thema: Gerade die schönsten und dazu noch gehaltvollen Texte sind die härteste Arbeit. Und das gilt natürlich genauso für schöne Produktdesigns, gut laufende Projekte, exakt eingebaute Badewannen, freundlich bediente Dauernörgler und, und, und … Und ob man sich auch noch anstrengt, wenn andere es anscheinend nicht bemerken – ja, genau: Das ist schon fraglich. Bei vielen Menschen lässt das Engagement dann eben schon nach. Also scheint doch etwas dran zu sein am Loben als Motivator.

Manches Lob verleitet allerdings zum Betrug

Aber mein Unbehagen am Lob als Führungsinstrument ist auch nicht ganz unberechtigt. Es gibt sogar Lob, das mehr Schaden als Nutzen anrichtet, ergab jetzt eine Studie an der Stanford-Universität, über die das Blog Karrierebibel vom Kollegen Jochen Mai berichtet. Psychologie-Professorin Carol Dweck fand heraus, dass falsches Loben sogar zum Betrügen animiert. Wie das? Nun, die Psychologin ließ ihre Probanden eine schwere Aufgabe meistern und anschließend zweierlei Arten von Lob austeilen. Den einen sagten die Versuchsleiter: „Sie sind wirklich sehr smart!“, und den anderen sagten sie: „Das haben Sie sich wirklich hart erarbeitet!“
Das Ergebnis finde ich sehr lehrreich. Weil sich der Mensch natürlich über Lob freut, haben die Probanden später weiter versucht, es sich zu verdienen. Der Grundgedanke ist also offenbar richtig. Nur: Wer für seine Intelligenz gelobt wurde, versuchte, seinen Schlauheitsstatus zur Not auch durch Lügen, Betrügen und Schummeln aufrechtzuerhalten – bis zu drei Mal häufiger als die anderen Probanden, die für ihre harte Arbeit gelobt wurden.
Loben ist gut – aber nur, wenn Sie es richtig machen. Loben Sie also weiter, oder fangen Sie ruhig auch erst damit an. Aber belohnen und loben Sie Mitarbeiter für ihre Arbeit, ihren Leistungswillen, ihren Einsatz – und nicht für Schlauheit oder gar Glück oder Zufall. Und nun lohnt sich auch wieder der Blick auf den oberen Artikel zum Lob als Führungsinstrument. Da stehen ein paar Tipps drin, wie Sie das richtig hinbekommen.
Und nun: Schön, dass Sie bis hierhin weitergelesen haben. Ist zu Ihrem Besten. Sehr brav. Vielen Dank für Ihren Einsatz!
Foto: Shutterstock

Midia Nuri

ist Wirtschaftsjournalistin. Sie schreibt vor allem über nutzwertige Unternehmerthemen rund um Betriebsführung oder auch Finanzielles und Steuerliches für verschiedene Branchenzeitschriften, wie etwa den kfz-Betrieb, Die Fleischerei, Der Freie Zahnarzt, Fahrzeug + Karosserie oder auch etwa Das Dachdeckerhandwerk. Außerdem ist sie Chefredakteurin eines Newsletters von BWRMed!a zum Thema Steuern und Bilanzierung. Zu Steuer- und Finanzthemen bloggt und twittert sie derzeit sporadisch unter ladygodiva-blog.de und twitter.com/LadyGodivaBlog.