Steuern & Finanzen

Zwischenruf: „Ich sage immer Nein“

Die Kommunen sind wichtigster Auftraggeber vieler Mittelständler – und säumigste Kundengruppe. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Inkassounternehmen verschlechterte sich ihre Rechnungstreue zuletzt sogar. Für Gastautor Ingo Hartmann kein Problem: Sein Elektrobetrieb mit elf Mitarbeitern arbeitet nicht mehr für öffentliche Auftraggeber.

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Seit zehn Jahren arbeiten wir nicht mehr für öffentliche Auftraggeber. Seither geht es uns gut. Wir haben mehr Zeit für unsere Kunden und unsere eigentliche Arbeit. Und wir haben keinen Ärger mehr mit ständigen Mahnungen und vermeintlichen Mängelrügen. Politiker und öffentliche Verantwortungsträger reden viel über den Mittelstand: Wir sollen Lehrstellen anbieten, wir sollen Arbeitsplätze schaffen. Aber wenn es um die Auftragsvergabe geht, geht es denen nur um den besten Preis. Und den zahlen sie dann nicht einmal anstandslos. Das Geld vom Hochbauamt kam nach bis zu neun Monaten, das von einer Universität sogar erst nach zwölf. Und dann suchen eigens von den Ämtern betraute Fachingenieure gezielt nach Mängeln, um die Rechnung kürzen zu können. Das erfahren Sie als Unternehmer natürlich nicht gleich, sondern erst, wenn die Zahlungsfrist abgelaufen ist und Sie wegen des Geldes bei dem Kunden anrufen. Dabei müsste es doch eigentlich umgekehrt sein: Wer nicht pünktlich zahlen kann, müsste von sich aus auf das Unternehmen zugehen.

Ich sollte ein halbes Jahr überbrücken

Großunternehmen sind nicht besser: Bei einer Bank, für die wir früher mal die Datennetzwerktechnik gemacht haben, sagte man mir damals: „Wenn Sie nicht in der Lage sind, ein halbes Jahr zu überbrücken, sind Sie nicht der richtige Partner.“ Wir standen nicht vor der Insolvenz, aber unter Druck. Und wir hatten keine Lust mehr auf diese Schwierigkeiten. Wir haben uns einen Factor gesucht, an den wir unsere offenen Forderungen verkaufen konnten. Rechnungen wurden morgens fakturiert, abends in eine Excel-Datei getippt und an den Factor geschickt. Der bestätigte den Kauf am nächsten Tag, und am übernächsten Tag waren 70 Prozent der Summe auf unserem Konto. Keine Rechtsberatung, kein Anwalt mehr. Und an den Factor haben die Kunden auch zügiger überwiesen. Unser Rechnungswesen lief bald schneller und effektiver als zuvor. Und das Wichtigste: Wir haben damals alle unsere säumigen Großkunden abserviert. „Schreibt uns keine Briefe mehr, lasst uns in Ruhe“, habe ich denen gesagt. „Ich habe noch etwas anderes vor als Mahnen und Reden.“
Außer für Privatkunden arbeiten wir heute nur noch für sehr wenige, seriöse und zahlungstreue Großkunden. Kein Fall mehr für Factoring, das ja auch nicht ganz billig ist. Beträge bis 500 Euro zahlen Privatkunden bar oder überweisen. Für größere Aufträge nehmen wir auch von Privatkunden mehrere Abschläge und achten darauf, dass die zügig auf unserem Konto eingehen.
Manchmal fragt das Hochbauamt, ob wir mal wieder etwas für sie machen würden. Aber ich sage immer „Nein“.

Über den Autor

Ingo Hartmann ist Meister und Berater der Firma Elektro Hartmann in Hannover. Der Betrieb ist seit 1982 als Dienstleister im Bereich der Elektro-, Kommunikations- und Sicherheitstechnik tätig.
Foto: mauritius images

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